Am 29. Mai 2026 sprachen auf einer Podiumsdiskussion an der Cycle Week in Zürich Pro Natura, Schweizer Wanderwege, Fairtrail und Swiss Cycling über die Koexistenz (gemeinsame Wegnutzung), und ihre Rolle für das Mountainbiken aus ökologischer, ökonomischer und sozialer Perspektive. Die nationalen Organisationen sind sich einig, dass die Koexistenz eine gute Grundlage für eine nachhaltige Ausübung und Förderung des Sports ist - wenn entsprechende Massnahmen ergriffen werden, darunter: Ressourcen für Netzplanung & Umsetzung, Wegunterhalt, stellenweise Entflechtung durch eigene Infrastruktur und flächendeckende Sensibilisierung.
Die ganze Diskussion gibt es hier als Züritrails Antenne Podcast sowie auf allen gängigen Podcast Portalen zu finden.
Die wichtigsten Einblicke ins Gespräch in der Übersicht:

Andreas Boldt, Projektleiter Freizeitaktivitäten & Naturschutz bei Pro Natura Schweiz:
“Wenn man für verschiedene Nutzungsformen zu viele eigene Angebote macht, dann braucht es mehr Raum, es wird mehr gebaut, die Kanalisierung geht verloren - das wäre aus ökologischer Sicht sicher die schlechtere Lösung. Deshalb haben Pro Natura Schweiz und die weiteren Umweltverbände bereits vor 8 Jahren ein gemeinsames Positionspapier erarbeitet und die Koexistenz auf Wegen grundsätzlich befürwortet. Es ist die beste Lösung. Es gibt Einzelfälle wo man darüber diskutieren kann, und dort kann dann entflechtet werden.”
“Zum Thema Sensibilisierung möchte ich betonen: Es geht nicht nur um Sensibilisierung zwischen verschiedenen Nutzern, sondern auch ganz grundsätzlich zum Verhalten in der Natur draussen. Und Sensibilisierung ist nie fertig: Es kommen immer neue Leute dazu, neue Rahmenbedingungen - das ist den Verantwortlichen in Behörden oft nicht so präsent - es werden tolle Projekte gemacht, die laufen dann bis zu einem Stichtag und dann sei das Problem gelöst. Es muss aber immer weitergehen.”
Luise Rohland, Vorstandsmitglied Swiss Cycling & IG MTB ZH:
“Wenn man sieht, wie viel im Kanton Zürich im Wald und auf Trails gebiket wird, merkt man schnell: Das funktioniert nur, wenn man das bestehende Wegnetz gemeinsam nutzt. Das heisst ich treffe als Bikerin oft auch Wanderer - und wir müssen gut aneinander vorbeikommen. Dort wo die Frequenzen beider Nutzergruppen allerdings zu hoch sind, z.B am Uetliberg, funktioniert das nicht auf jedem Weg und es braucht Lösungen zur Entflechtung. Das ist dann gleichzeitig auch eine tolle Chance den Sport mit spezifischer Infrastruktur zu fördern."


Olivia Grimm, Bereichsleitung Wanderwege bei den Schweizer Wanderwegen:
“Wir hören aus den Kantonen, dass gemeinsam genutzte Wege - je nach Steilheit und Frequenzen - zu mehr Unterhaltsaufwand führen. Die Herausforderung ist nicht unbedingt, dass es mehr Aufwand gibt, sondern es stellen sich die Fragen: Wer bezahlt den Unterhalt? Und wer ist dafür zuständig? Mit dem Veloweggesetz gibt es nationale Grundlagen, die Kantone müssen nun ihre Wegnetzplanungen machen und die Ressourcen zur Verfügung stellen. Der Knackpunkt ist, dass der Mountainbike-Sport den entsprechenden Grundlagen voraus ist, deshalb sollen jetzt nicht nur Konzepte geschrieben werden, sondern auch Ressourcen gesprochen werden für den Sport.”
Kevin Suhr, Projektleiter bei einem Planungsbüro und von Fairtrail Graubünden:
“Was wir in unserer Arbeit bei Frequenzmessungen sehen: Sobald wir attraktive Bike-Angebote schaffen, nehmen die Frequenzen auf anderen Wegen ab - dort wo man vielleicht weniger Biker haben will. Und: Verbote funktionieren nur bei genügend attraktiven Angeboten. Bei der der Schaffung von zielgruppengerechten Angeboten nimmt der Druck auf das ganze Wegenetz definitiv ab.”
“Sensibilisierung für Koexistenz ist kein Sprint, sondern ein Marathon. Im Kanton Graubünden hat die Wanderwegsorganisation bereits in den 90er-Jahren gesagt: Nur der gemeinsame Weg ist der richtige Weg. Das läuft jetzt seit über 30 Jahren so, mittlerweile haben wir alle Akteure am Tisch - von den Ämtern bis zu den Interessensorganisationen. Und Koexistenz bedeutet in Graubünden nicht nur Wandern & Biken, sondern auch Wegnutzung & Natur sowie überlagernde Nutzungsformen wie Landwirtschaft und Forstwirtschaft. Die aktuelle kantonale Sensibilisierungskampagne läuft 4 Jahre und kostet rund 3 Millionen Franken.”






